„Berufsunfähigkeitsversicherung – ein Vergleich allein bringt wenig Sinn“

Dies ist das Resumee einer aktuellen Mandatierung. Die Eckdaten:

Männlich, Anfang 40, Akademiker sucht einen Berufsunfähigkeitsschutz. Das Manko: bei den Gesundheitsfragen ist 3x „ja“ anzukreuzen (Achillessehnenriss, Nierenstein, psychologische Ergotherapie, alles ausgeheilt und ohne Folgen, jedoch alles innerhalb der letzten 3 Jahre).

Regelmäßig wird in solch einem Fall mittels einer Software ein Vergleich gerechnet und mit dem Kunden bei dieser oder jener Gesellschaft ein Antrag gestellt. Am Ende kommt es häufig zu Ausschlüssen. Ein guter Vermittler stellt hier parallel zwei oder gar drei Anträge und sucht sich mit seinem Mandanten das beste Ergebnis aus. Aber reicht das?

Wir entschieden uns (trotz des höheren Aufwandes) zu folgendem Weg:

Erstellt wurde ein Mandantenprofil mit allen erforderlichen Angaben, welche ein Versicherer benötigt, um ein Angebot berechnen zu können, gepaart mit den Vorgaben, welche Leistungen beinhaltet sein sollen sowie den gesundheitlichen Angaben. Dieses wurde an alle ermittelbaren BU-Versicherer gesendet mit der Bitte, eine Vorab-Prüfung durchzuführen und darauf basierend ein Angebot abzugeben.

Das Ergebnis:

Es wurden 60 Gesellschaften angeschrieben und um Abgabe eines Angebotes gebeten.

27 Versicherer haben nicht binnen 3 Wochen reagiert.
22 Versicherer signalisierten eine Ablehnung oder Zurückstellung.

11 Versicherer blieben noch im Rennen und lieferten, nach teils umfangreichen Rückfragen und Verhandlungen, jeweils einen Vorschlag und ein Votum. Von diesen wiederum gaben 10 an, dass sie anhand der gegebenen Informationen voraussichtlich einen Ausschluss hinsichtlich psychischer Erkrankungen und/oder des Achillessehnenrisses vereinbaren wollen – eine genaue Prüfung sei hier erforderlich. Ein der Anbieter gab an, dass eine Annahme ohne Erschwerungen erfolgen wird.

Erst mit diesen Erkenntnisses lohnt es sich erst, Vergleiche hinsichtlich Leistungen und Prämien vorzunehmen, denn erst jetzt weiß der Mandant, was ihn erwartet. Der Vergleich kristallisierte letztendlich zwei abzuwägende Alternativen:

Variante A: Vertrag, welcher alle Bedingungs-Vorgaben des Mandanten erfüllt zu günstigen Konditionen, allerdings mit einer Ausschlussklausel hinsichtlich Achillessehnenriss

Variante B: Vertrag, welcher bis auf kleinere Komfortleistungen alle wesentlichen Vorgaben erfüllt und eine um 30% höhere Prämie beinhaltet, dafür aber ohne jegliche Ausschlüsse ist.

Die Entscheidung ist noch nicht getroffen. Womöglich wird bei jeder der beiden Gesellschaften jeweils die Hälfte der benötigten BU-Rente eingedeckt.

Eines wird jedoch ersichtlich: Die Suche nach einem passenden Versicherer für einen Berufsunfähigkeitsvertrag geht weit über das bloße Rechnen eines Angebotes mittels einer Software hinaus.

Gerade bei Sonderrisiken (ob durch den Beruf, Hobbies oder Vorerkrankungen) weichen die Beurteilungen der Gesellschaften extrem von einander ab. Von völliger Ablehnung bis hin zu problemloser Annahme ist alles möglich.

Daher mein Rat: Bestehen Sie darauf, dass Ihr Vermittler sich die Arbeit macht und zuerst für Sie den Markt durchforstet, anstatt dass er Ihnen lediglich ein paar Seiten Papier ausdruckt und aufzeigt, bei welcher Gesellschaft Sie (theoretisch) die Besten Leistungen bekommen.

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