Ist Altersvorsorge überhaupt noch sinnvoll?

Niedrige Zinsen, hohe Kosten, steigende Steuern und drohende Sozialabgaben – im Lichte dieser Erwartungen verliert die traditionelle Altersvorsorge in Form von klassischen Lebens- oder Rentenversicherungen ihren letzten Glanz. Gepaart mit der Unsicherheit ob der wirtschaftlichen und politischen Lage in der Welt aber auch innerhalb Europas stehen aber auch die fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherung in immer häufiger werdendem Zweifel.

Ob die zu erwartenden Provisionssenkungen aufgrund des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) eine andere Beurteilung zulassen ist fraglich. Letztlich sind 1,25% (Höchstrechnungszins ab 2015) nicht wirklich attraktiv – unabhängig davon, ob die restlichen Kosten sinken.

Verlässt man einmal die Spielwiese der Versicherungen, so begegnen einem jede Menge Alternativen, welche alle als Altersvorsorge angepriesen werden:

– Bausparverträge
– Banksparverträge
– Aktien-, Renten-, Immobilien-, Mischfonds oder auch ETFs
– stille Beteiligungen, wie z.B. Fonds mit Schiffen, Kinofilmen, Windrädern, Kliniken, Wäldern usw.
– Grundstücke und Eigentumswohnungen
– Gold, Silber und andere Edelmetalle
– Kunstgegenstände

Die Anbieter werden nicht müde zu behaupten, dass ihr eigenes Produkt besser sei, als alle anderen, dass es sicherer wäre oder auch mehr Rendite erwirtschafte. Ohne eine tiefgründige Prüfung aber und einen detaillierten Vergleich wird man keine Wertaussage treffen können. Vermutlich sogar wird niemand in der Lage sein, alle Möglichkeiten nebeneinander legen und vergleichen zu können. Dies erfordert viel Zeit und jede Menge Informationen, die schon wieder veraltet sein könnten, wenn man gerade dabei ist, sie zu verarbeiten.

Man wird also auf der Suche nach der richtigen Altersvorsorge nicht ohne logischen Verstand auskommen und letztlich auch auf sein Gefühl hören müssen.

Gehen wir einmal logisch vor, dann zeigt die Vergangenheit, dass folgende drei Dinge die wichtigsten, viele Krisen überdauernde Varianten der Altersvorsorge sind:

1. Familie

Die Familie schenkt Freude in guten Zeiten und sie gibt Rückhalt in schweren Zeiten. In einer intakten Familie unterstützt jeder jeden, ist auf einander Verlass und das Risiko des Existenzverlustes ist auf ein Minimum reduziert.

Dies macht die Familie seit Jahrtausenden zu sichersten Altersvorsorge überhaupt.

2. Land

Genauso wichtig, wie eine Familie, ist Land, von welchem man sich ernähren und auf welchem man sich ein Dach über den Kopf unterhalten kann. Letztlich sichert Grundeigentum das Überleben – das sollte man niemals unterschätzen oder gar vergessen.

Erst recht in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind es die Grundbedürfnisse des Menschen, die vor einer Entscheidung betrachtet werden sollen. Das Papier eines Bausparvertrages oder einer Lebensversicherung wird niemanden satt machen. Und auch vor Regen oder Kälte schützt es nicht.

3. Bildung

Kaum etwas hat den Menschen jemals mehr voran gebracht als Bildung und Forschung. Mit Bildung steigen nicht nur Verständnis und Kompetenz, sondern auch das Einkommen und der Wohlstand. Was in jungen und mittleren Jahren in Bildung investiert wird, zahlt sich im Alter in aller Regel deutlich stärker aus, als jede verfügbare Geldanlage.

10.000 Euro erwirtschaften in 30 Jahren bei einem (derzeit utopischen) Zinssatz von 5% ca. 43.000 Euro. Wenn Sie heute 10.000 Euro in Ihre (Aus-)Bildung investieren, werden Sie vermutlich schon in den nächsten 5 Jahren mehr als diese 43.000 Euro an Gewinn erwirtschaftet haben.

Natürlich kommt auch eine finanzielle Vorsorge für das Alter in Betracht. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Und vor allem – was ist das beste Produkt?

Als Zyniker müsste ich jetzt antworten mit „nie“ und „keines“. Denn nüchtern betrachtet, gibt es immer Dinge, die wichtiger sind, als für die Rente vorzusorgen und kein Produkt am Markt ist eine eierlegende Wollmilchsau. Banken zahlen niedrige Zinsen. Bausparverträge auch, aber mit denen kann man günstig renovieren. Versicherungen sind teuer, bieten aber eine hohe Sicherheit. Gold sichert den (Sach-)Wert, macht aber an sich keine Gewinne. Immobilien sind sicher und bringen bei guter Lage auch gute Erträge, lassen sich nicht schnell verkaufen. Aktien bringen schwanken im Wert. Stille Beteiligungen sind hochriskant. Und dann gibt’s da ja noch die eine oder andere Spekulationsblase…

Jedes Produkt hat so seine Eigenarten und damit seine eigene Berechtigung. Die beste Altersvorsorge kann es dann also nur sein, sich nicht auf eines zu konzentrieren, sondern auf alle Möglichkeiten zu diversifizieren.

„Ein Kessel Buntes“ oder „aus jedem Dorf ein Hund“ – das kennen Sie doch, oder?

Wenn Sie Ihr Geld auf mehrere Pferde verteilen, dann können Sie bei Bedarf immer auf das zurückgreifen, was zu dem jeweiligen Zeitpunkt gerade gut dasteht. Kräht jeder Hahn nach Aktien – verkaufen Sie Ihre und streichen Sie den Gewinn ein. Jammert alle Welt, wie schlecht doch Aktien sind, schauen Sie auf den Goldpreis – und vermutlich werden Sie dann strahlen. Ist die Stimmung ungewiss, dann lassen Sie sich etwas vom Bankkonto auszahlen.

Wichtig ist jedoch folgende „goldende Regel“:

„Gier frisst Hirn!“ – oder werbewirksam ausgedrückt:

„Lass die Finger von Dingen, die Du nicht verstehst!“

Wer eine Geldanlage zeichnet, die er nicht voll und ganz verstanden hat, sollte den Betrag lieber ins Casino bringen und auf Rot setzen. Da hat er binnen weniger Sekunden Gewissheit und sogar eine beinahe 50%-Chance. Bei einer Beteiligung in Windkrafträder, Luxusgeschäftsimmobilien, Ölquellen und dergleichen bangen Sie vielleicht Jahre um Ihr Geld und haben dann erst durch die Schlagzeile Gewissheit, dass mal wieder ein großer Finanzskandal aufgeflogen ist.

Ehrlich – lassen Sie es. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen der Freund eines Arbeitskollegen eine Kapitalanlage bei Ihnen zu Hause vermittelt, die besser ist als das, was Ihnen der Markt bietet, ist bestenfalls so groß wie die Gewinnchance im Roulette, wenn Sie auf die 0 setzen. Denken Sie nur mal kurz darüber nach, warum kein Millioneninvestor dort eingestiegen ist, sondern der Prospekt den Weg bis zu Ihnen gefunden hat. Ich verrate es Ihnen – trocken und ungeschönt: weil Sie klein und unbedeutend sind, keine Ahnung von Geld haben, nicht verstehen, wie das Modell funktioniert, sich von bunten Bildern beeindrucken und groß geschriebenen Zahlen blenden lassen und mit etwas Glück naiv oder gierig genug sind, tatsächlich Ihr Geld in dieses Loch zu investieren.

Worauf kommt es bei einer Kapitalanlage an?

Immer noch – seit hundert Jahren unverändert – auf Rendite, Sicherheit und Flexibilität.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie könnten backen. Ihnen ist nach einem Obstkuchen – aber Sie können sich nicht entscheiden. Vor Ihnen liegen Äpfel, Pflaumen und Aprikosen. Die schmecken alle lecker, aber nur eines davon allein ist langweilig. Von daher verteilen Sie die drei auf Ihrem Kuchenblech ganz klassisch – ein Drittel Äpfel, ein Drittel Pflaumen, ein Drittel Aprikosen. Streusel drauf, Backofen, fertig.

Genauso ist aus auch mit einer Geldanlage. Sie können nicht 100% Rendite, 100% Sicherheit und 100% Flexibilität vereinbaren. Sie können lediglich alle drei Dinge auf 100% Kuchen verteilen. Wenn Sie eines der drei Kriterien erhöhen, dann muss mindestens eines der andere zwei entsprechend weichen.

Hohe Rendite + hohe Sicherheit = geringe Flexibilität. Bedeutet: Sie kommen nicht ans Geld!

Hohe Rendite + hohe Flexibilität = geringe Sicherheit. Bedeutet: effektiv dasselbe, nur der Grund ist ein anderer – wahrscheinlich ist von Ihrem Geld nichts mehr da, an dass Sie rankommen wollen.

Hohe Sicherheit + hohe Flexibilität = geringe Rendite. Bedeutet: Dem Geld passiert nichts, Sie kommen jederzeit ran, aber die Zinsen sind deprimierend.

Soweit verstanden? Kleiner Test:

Extrem hohe Sicherheit + extrem hohe Flexibilität = ?

Richtig! Ihr Geld lagert zu Hause in Ihrem Kopfkissen. War ja nicht schwer…

Wonach unterscheidet man Geldanlagen sonst noch?

Prinzipiell gibt es zwei Kategorien: Geldwerte und Sachwerte.

Geldwerte sind Formen, bei denen es um reine Euros geht – zum Beispiel Tagesgelder, Sparbücher, Festgelder, Bausparverträge, klassische Lebens- und Rentenversicherungen.

Bei Geldwert-Anlagen wissen Sie ziemlich genau, wie viel Sie wann bekommen werden. Jedoch sagt Ihnen niemand, wie viel das dann noch Wert ist.

Wenn Sie 2004 zum Beispiel 1.000 Euro auf ein Festgeldkonto mit damals 5% gepackt hätten, würden Sie heute 1.628 Euro zurückbekommen.

2004 konnten Sie für 1.000 Euro ca. 870 Liter Benzin tanken und Ihr Auto somit ca. 20 Mal volltanken.

Niemand konnte Ihnen aber 2004 sagen, wie oft Sie 2014 mit 1.628 Euro Ihr Auto volltanken können. Heute wissen Sie es: Sie bekommen dafür etwa 670 Liter Benzin und können Ihr Auto nur noch 15 Mal volltanken.

Mit dem heutigen Wissen wären Sie also besser dran gewesen, wenn Sie sich 2004 einfach mal 870 Liter Benzin gekauft hätten. Und damit sind wir auch schon bei den Sachwerten.

Sachwert-Anlagen kennzeichnen sich dadurch, dass Ihr Geld weg ist, nämlich ausgegeben für irgendetwas – zum Beispiel für Aktien, Gold, Grundstücke oder was auch immer; auf jeden Fall gehört Ihnen etwas, was nicht Geld ist – allein oder als Anteil von einer größeren Sache (zum Beispiel eine Eigentumswohnung in einem Mietshaus).

Dieses Etwas hat einen bestimmten Wert – zum Zeitpunkt Ihres Kaufes den Preis, den Sie dafür bezahlt haben. Ihr Ziel ist es – ganz kaufmännisch – diese Sache später einmal teurer zu verkaufen.

Natürlich wissen Sie nicht, wann der Preis so hoch sein wird, dass Sie verkaufen würden. Zudem hängt der Preis Ihrer Sache davon ab, was die anderen denken. Denn will keiner eine solche Sache kaufen, dann sinkt der Preis. Lechzt dagegen jedermann nach Ihrer Sache, können Sie zuschauen, wie der Preis steigt.

Diese Wertschwankungen stellen das Risiko der Sachwertanlagen dar. Denn wenn Sie zwischenzeitlich auf das Geld (also den Verkaufswert der Anlage) angewiesen sind, kann es sein, dass Sie weniger bekommen, als Sie sich vorgestellt haben.

Aus diesen Eigenschaften heraus lässt sich also ableiten, dass Geldwertanlagen eher kurzfristig und Sachwertanlagen eher langfristig als Anlageform taugen.

Erinnern Sie sich nach an Ihren Obstkuchen? Auf das Obst kommen ja meistens noch die Streusel.

Genauso ist das auch bei der Geldanlage – auch da gibt’s Streuseln, wie zum Beispiel Fördergelder oder Steuervorteile. Da diese meistens aber an Bedingungen geknüpft sind (der Staat hat schließlich nichts zu verschenken), sollten die Folgen ganz gezielt betrachtet werden. Im Zweifel essen Sie Ihren Obstkuchen lieber ohne Streuseln – schmeckt vielleicht nicht ganz so gut, bekommt Ihnen aber vermutlich besser.

Na? Haben Sie verstanden, warum Sie nicht gezielt nach einer Riester-Rente suchen sollte?

Genau – weil Sie ja auch nicht zum Bäcker gehen und einen Kuchen verlangen mit den Worten „Hauptsache Streusel – das Obst ist mir egal“.

Soweit die Theorie. Kommen wir zur Praxis.

Wie fängt man am besten an?

Ganz einfach: mit dem Einfachsten.

Und das ist ein Tagesgeldkonto, jederzeit verfügbar und in aller Regel eine sichere Sache. Hier legen Sie Monat für Monat das Geld drauf, was Sie übrig haben – und zwar solange, bis Sie hier ca. ein halbes oder gar ein ganzes Jahresgehalt liegen haben.

Denn alle anderen Kapitalanlagen muss man sich erst mal leisten können. Was nutzt Ihnen eine fondsgebundene Lebensversicherung zur Altersvorsorge, wenn Sie sich nach ein paar Monaten die Raten nicht mehr leisten können, weil sich plötzlich ein größerer Finanzbedarf ergibt?

Der Hauptgrund, warum Altersvorsorge scheitert, ist der, dass das nötige Kleingeld fehlt – zum Beispiel um zwischenzeitliche Krisenzeiten zu überbrücken, um Anteile nachzukaufen oder die Immobilien zu sanieren oder aber auch um einen Anwalt zu bezahlen, der das verlorene Geld von dem unseriösen Finanzhai zurückholt. Wie traurig ist das denn: Sie wurden betrogen und können es sich nicht leisten, den Betrüger zu verklagen, obwohl in Ihrem Geld schwimmt? Katastrophe! So weit darf es nicht kommen!

Egal wie viel Zeit Ihnen noch bis zu Rente bleibt – eines werden Sie zwischenzeitlich immer mal wieder benötigen: Geld. Und das häufig auch relativ schnell, also kurzfristig.

Von daher ist Ihr erster Schritt auf dem Weg zum reichen Rentner die Eröffnung eines Tagesgeldkontos und die Rücklage Ihrer allmonatlichen Überschüsse. Wenn Sie das nicht machen, werden Sie (in Finanzdingen) mit hoher Wahrscheinlichkeit baden gehen.

Tipp: wenn am Monatsende nichts übrig bleibt – mehrere Monate in Folge – dann führen Sie ein Haushaltsbuch, planen Sie Ihre Ausgaben und legen Sie am Monatsanfang das weg, was übrig bleiben soll.

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Merke: Haben Sie nicht mindestens ein halbes Jahreseinkommen auf der Seite liegen, ist keine Altersvorsorge DIE Richtige für Sie!

Oder anders ausgedrückt: Ohne Kohle können Sie sich nichts leisten – noch nicht einmal eine Kapitalanlage.

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Erst wenn Sie diese Hürde gemeistert haben, dann ist die Zeit gekommen, um sich über Altersvorsorge Gedanken zu machen. Da kann Ihnen Ihr Sparkassenbetreuer oder Ihr Vermögensberater sonst was für tolle Vorschläge machen – sagen Sie: NEIN! NEIN zu Bausparverträgen, NEIN zu Lebensversicherungen, NEIN zu Fonds; und zwar solange, bis Sie Stufe 1 gemeistert haben. Ein halbes Jahreseinkommen ist das Ziel.

Und danach? Dann schauen Sie sich um nach einem Berater, der Ihnen nichts verkaufen will, sondern Sie berät. Das kostet bestimmt ein paar Euro an Gebühr – aber dafür bekommen Sie das Wichtigste überhaupt: Informationen. Passende Produkte finden sich dann sicherlich schnell…

In diesem Sinne – frohes Wirtschaften wünscht

Ihre Kanzlei NLG Plus
Nico Leander Grawert

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