Immer wieder AachenMünchener…

In gefühlt der Hälfte aller mir angetragenen Fälle steht am anderen Ende als Grund der Unzufriedenheit die AachenMünchener.

Vermittelt werden deren Lebens- und Rentenversicherung durch die Deutsche Vermögensberatung AG, ein bundesweit tätiger Allfinanz-Strukturvertrieb.

Wenn für den Hauptverdiener eine BU-Rente nur bis zum 63. Lebensjahr abgeschlossen wird, ohne dass dieser in der Beratung erfährt, dass im Falle des Eintritts einer Berufsunfähigkeit seine für den Renteneintritt mit 63 erforderlichen 45 Pflichtjahre womöglich gar nicht erfüllen kann, dann geht dies eindeutig zu Lasten des Vermittlers. Ebenso kann man es dem Vermittler anlasten, wenn im Falle des Eintritts ebendieser Berufsunfähigkeit eine viel zu geringe Rente gezahlt wird, weil bei Abschluss davon ausgegangen wurde, dass es ja noch ein Teilzeiteinkommen gäbe oder eben eine Erwerbsunfähigkeitsrente, was sich beides als Irrtum erwies. Und auf jeden Fall geht es auf die Kappe des Vermittlers, wenn die Rechtsschutzversicherung erst Monate nach der BU abgeschlossen wurde und deswegen die Leistung für einen Schadensersatzprozess verweigert.

Allerdings sind derartige Umstände kein „Privileg“ der DVAG – es gibt überall Vermittler, die so oder so ähnlich arbeiten und die Mitverantwortung dafür tragen, dass der Beruf des Versicherungsvermittler zu den am wenigsten anerkannten und respektierten gehört.

Doch selbst dann, wenn der Vermittler der DVAG, der Vermögensberater, alles richtig gemacht, an alles gedacht und zum besten Wohl seines Kunden ausgestaltet hat, bleibt der Ärger nicht aus. Denn für einen nicht zu verachtenden Anteil der „AM/DVAG“-Fälle sind die Unmutsgründe tief im Inneren der AachenMünchener Lebensversicherung AG zu finden. Und gegen diese ist selbst der redlichste Vermittler wehr- und machtlos.

Zur Prüfung stand eine RiesterRente Strategie Plus, abgeschlossen 2015 mit einem Monatsbeitrag von 100,35 Euro und im Laufe der Jahre erhöht auf zuletzt 160,42 Euro. Ein Blick in die letzte Wertmitteilung ergab:

2.073,51 Euro Altersvorsorgevermögen zum 31.12.2016

+ 1.638,00 Euro eingezahlte Beiträge
+ 137,56 Euro Zulagen
+ 27,12 Euro garantierte Zinsen
+ 85,25 Euro Wertentwicklung
– 152,00 Euro Abschluss- und Vertriebskosten
– 298,20 Euro Verwaltungskosten

= 3.511,24 Euro Altersvorsorgevermögen zum 31.12.2017

Auf den ersten Blick also knappe 1.500 Euro mehr, als vorher. Bei genauerem Hinschauen aber eben nur 1.437,73 Euro mehr und das trotz 1.638,00 Euro eingezahlter Beiträge und positiver Zins- und Fondserträge. Auf gut deutsch – nach drei Jahren Vertragslaufzeit sind die Kosten des Vertrages immer noch mehrere hundert Euro höher als der Ertrag. Ein Blick in das Produktinformationsblatt gibt Aufschluss:

Abschlusskosten von 1.053,68 Euro bei 100,35 Euro Monatsbeitrag über 38 Jahre und 6 Monate entsprechen (branchenüblich bezogen auf die Beitragssumme von 46.361,70 Euro) knapp 2,3%. Dies ist vergleichsweise günstig. 2,5% sind die Regel, einige gehen sogar darüber hinaus.

Ferner fallen aber auch Verwaltungskosten an. Diese betragen laut Produktinformationsblatt 18,69 Euro pro Monat. Wer an dieser Stelle aufhört nachzudenken, dem entgeht, dass dies jährlich 224,28 Euro sind und damit mehr als 2 Monatsbeiträge, nämlich insgesamt 18,6% der Beiträge.

Wenn also 2,3% und 18,6%, zusammen also über 20% aller Beiträge an Kosten verbraucht werden, ist es nicht mehr verwunderlich, warum trotz Beitragszahlung, Zinsen und positiver Fondsentwicklung der Vertragswert sinkt. Dieser unverhältnismäßig hohe Kostenblock kann nur durch Zinsen und Fondsgewinne ausgeglichen bzw. getragen werden. Es würde Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte dauern, ehe in dieser Konstellation erstmals in einem Beitragsjahr mit Gewinn zu rechnen ist – und selbst dann ist der Gesamtvertrag effektiv immer noch im Verlust.

Im vorliegenden Fall sind bis zu diesem Zeitpunkt 4.186,55 Euro eingezahlt worden und 275,75 Euro Zulagen geflossen. Von diesen 4.462,30 Euro sind nur noch 3.511,24 Euro vorhanden, was einem Verlust von 951,06 Euro und somit einer Rendite von -21,3% entspricht, am Ende des dritten Jahres. Da auch in den kommenden Jahren mehr Kosten als Erträge zu erwarten sind, würde sich der aktuelle Verlust bei unveränderter Fortführung des Vertrages unweigerlich weiter erhöhen.

Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als meinem Mandanten dringend zu empfehlen, sich von diesem Vertrag – dieser „legalen Kapitalvernichtung“ – zu trennen, wahlweise durch Kündigung oder Übertragung der Werte. Ob er zudem Schadensersatzansprüche gegen seinen Vermögensberater oder die DVAG selbst geltend machen kann, bleibt der Prüfung durch den Fachanwalt vorbehalten. Möglicherweise hätte der Vertrag nämlich bei anderer Gestaltung auch deutlich besser verlaufen können:

Wäre als laufender Beitrag nur der Mindestbeitrag von 60,00 Euro einmal im Jahr vereinbart worden und hätte der Mandant danach regelmäßig Zuzahlungen bis zur sonst durch Beiträge generierten Jahreshöhe vorgenommen, so hätten ausweislich des Produktinformationsblattes für Sonderzahlungen zwar 6,70% Abschlusskosten, aber nur 0,15% Verwaltungskosten anfallen können. Im Vergleich zu den über 20% Kosten bei laufender Zahlung geradezu ein Schnäppchen. Ob natürlich diese Kosten auch für weitere Zuzahlungen gelten würden oder nur für die erste Zuzahlung bei Vertragsbeginn galten, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, denn dem Produktinformationsblatt ist nicht zu entnehmen, welche Kosten für Zuzahlungen während der Laufzeit oder für die Zulagen anfallen. Auch diese Informationspolitik geht zu Lasten der AachenMünchener selbst.

Fest steht jedenfalls: die Kosten der AachenMünchener RiesterRente STRATEGIE PLUS aus dem Jahre 2015 sind in diesem Beispiel geradezu ernüchternd!

Wenn auch in Ihrem Bestand Lebens- und Rentenversicherungen der AachenMünchener schlummern, dann sollten Sie diese prüfen und sich am Besten von jemandem beraten lassen, der neutral und unabhängig ist und nicht von der Versicherungswirtschaft für den Abschluss oder die Betreuung eines Versicherungsvertrages bezahlt wird – nämlich bei den örtlichen Verbraucherzentralen, spezialisierten Rechtsanwälten oder einem der gerade einmal 344 in Deutschland zugelassenen Versicherungsberater (Stand 02.07.2018, DIHK). Einen Versicherungsberater in Ihrer Nähe finden Sie unter:

BVVB-Beratersuche: BVVB-Berater

4 thoughts on “Immer wieder AachenMünchener…

  1. Manuel

    Also sorry, eine Riester Rente, nach 1, 2, oder 3 Jahren nach der Summe im Deckungsstock zu bewerten, ist absolut peinlich. Jeder, der sich einigermaßen mit der Materie auskennt weiß, dass die Abschlusskosten über die ersten Jahre verteilt sind.
    Ein solcher Vertrag ist nicht dazu da, um nach 8 Jahren mit dicker Rendite auszugehen.
    Er ist dazu da, um nach Jahrzehnten sich dann eine entsprechende garantierte, lebenslange Rente zu sichern.
    Dieser Bericht ist absolut fahrlässig!

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    1. Leander Nico Palitzsch-Grawert Beitragsautor

      Peinlich ist, dass ein Makler einen solchen unqualifizierten Kommentar abgibt. Wer als Vermittler nicht begreift, dass bei 18,6% Verwaltungskosten die Garantie nicht das Papier wert ist, auf dem sie steht, der sollte sich vielleicht nach einem alternativen Beruf umschauen…

      Nur mal so als Denkansatz: Wann tritt mit 18,6% Verwaltungskosten bei optimistischen 3% jährlicher Verzinsung der Break-Even-Point ein?

      Ich greife vor: im 14. Jahr! Rechnet man die Abschlussprovisionen dazu, reden wir von 16 Jahren. Das sind vier ordentliche Legislaturperioden und in der heutigen Zeit eine Ewigkeit.

      Derartige Produkte zu vermitteln ist fahrlässig, sie als Versicherer überhaupt anzubieten verwerflich!

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  2. Thomas

    Dieser Artikel strotzt nur so vor halb Wahrheiten! Es wird empfohlen des Kapitals zu übertragen?

    Das ist mit dem Abschluss eines neuen Riester Vertrages verbunden, also fangen die Abschlusskosten von vorne an.

    Der Kunde zahlt den maximal Beitrag von 160 € monatlich. Danach ist zuschließen dass er ein gutes Einkommen bezieht. Der jährliche Steuer Vorteil liegt in der Regel bei 400-600 €! Allein dadurch lohnt sich der Vertrag schon.

    Verluste kann er auch keine machen da bei Riester Beiträge plus die Zulagen garantiert ausgezahlt werden.

    Solche Artikel sind nur dafür da Kunden zu verunsichern und sie um ihre Altersvorsorge zu bringen.

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    1. Leander Nico Palitzsch-Grawert Beitragsautor

      Lieber Leser Thomas (oder doch Versicherungsvermittler?),

      so unglaublich Ihnen das auch vorkommen mag, aber Mathematik ist keine Halbwahrheit. Wer rechnen kann (und es sich auch traut), der wird nicht um die Wahrheit herumkommen: 20% Kosten können in Zeiten von Negativzinsen kaum die Lösung der Altersvorsorgeprobleme der Bevölkerung sein!

      Beim Abschluss eines neuen Riestervertrages fangen auch nicht zwangsläufig die Abschlusskosten von vorne an. Das mag vielleicht in Ihrer Welt so sein, aber ich bin hier in der Realität. Gern führe ich Sie ein wenig herum: schauen Sie mal dort, da gibt es einen Riester-Fondssparplan mit ETFs und ohne Abschlusskosten oder hier drüben – Riester-Rentenversicherungen, abschlusskostenfrei. Gut okay, die stammen alle aus der Parallelwelt der Berater. Aber selbst für Vermittler gibt es Lösungen. Hier zum Beispiel hat ein Anbieter einen Riester-Fondssparplan mit 5% Agio – da fallen die Provisionen immer nur dann und immer in derselben Höhe an, wenn ein Beitrag eingezahlt wird und nicht gleich am Anfang in voller Höhe für die gesamte Laufzeit, so dass man Provisionen auch zahlt für Zeiten, in denen man wegen Elternzeit oder Arbeitslosigkeit den Vertrag unterbricht. Und schauen Sie mal hier – sogar von Versicherungen gibt es Riester-Rentenpolicen mit ratierlichen Abschlusskosten. Ich finde, der Markt hat gute Lösungen für alle Probleme. Nur werden diese Ladenhüter zurückgehalten, weil es ja fette Provisionen gibt, wenn man den bekannten Schrott verkauft.

      Und ja, bestimmt gibt es eine Steuerersparnis, wenn man den Höchstbeitrag zahlt. Während aber die Vermittlerschaft oft das Märchen von den niedrigen Steuern im Rentenalter erzählt (ups, Halbwahrheit), steht im Einkommensteuergesetz irgendwie gar nichts davon drin. Rentner zahlen der Höhe nach dieselben Steuern, wie alle anderen auch. Sie haben meist nur ein niedrigeres Einkommen. Glücklicherweise gibts ja die private Altersvorsorge. Und solange die nicht von Versicherern und Vermittlern aufgezehrt wird, kommt beim Rentner auch was davon an. Dumm nur – alles, was aus der Riesterrente rauskommt, ist steuerpflichtig. Und wenn der Rentner gut vorgesorgt hat oder nebenher noch weiter arbeitet, zahlt er sicherlich auch im Rentenalter 30% Steuern auf sein Einkommen. Dummerweise ist die Höhe nicht auf die Steuerersparnis während der Einzahlungsphase gedeckelt. Alle Zulagen und Zinsen müssen dann der Einkommensteuer unterworfen werden. Ob sich der Vertrag da noch lohnt? Naja, rechnen Sie es doch mal durch – dann werden Sie sich wundern. Und übrigens – wenn immer weniger Leute arbeiten und immer mehr Rentner eine Rente beziehen, was glauben Sie, wird dann mit dem Steuersatz in 20 Jahren passieren, wenn die Steuereinnahmen aus Erwerbseinkommen nicht mehr ausreichen?

      Dass man mit Riester keine Verluste machen kann, weil die Beiträge und Zulagen garantiert ausgezahlt werden, ist schon keine Halbwahrheit mehr, sondern ein Vollmärchen. Ich schätze mal, dass weniger als 20% aller abgeschlossenen Riesterverträge im Rentenalter mehr ausschütten, als man eingezahlt hat. Denn erstens gibts eine lebenslange Rente und da muss man (logischerweise) deutlich älter werden als der Durchschnitt, um damit Gewinn zu machen (leuchtet ein, oder? sonst wäre ja der Topf vorher leer). Und zweitens passiert in 30 oder 40 Jahren so einiges und nur die wenigsten Verträge werden, so wie anfangs geplant, bis zum Ende durchgezahlt. Es gibt sehr viele Unterbrechungen (Beitragsfreistellungen), für welche aber keine Provisionen zurückerstattet werden. Somit ist der Verlust vorprogrammiert und die „Garantie“ ist das Papier nicht wert, auf dem sie steht!

      Und ganz gewiss sind solche Artikel nicht einmal ansatzweise dafür da, Kunden zu verunsichern, geschweige denn, sie um ihre Altersvorsorge zu bringen (mir fällt noch nicht mal ein entferntes Beispiel ein, wie das gelingen sollte) – nein, dieser Artikel soll die Kunden von Versicherungsvermittlern davor schützen, dass sie ihre Altersvorsorge in den Rachen der Versicherungswirtschaft werfen und damit die gefühlt unstillbare Provisionsgier der Vermittlerschaft zu befriedigen!

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